Der Weg vom Notizblock zum Spieltisch

Wer ein Brettspiel im Laden kauft, hält ein fertiges Produkt in den Händen. Was man dabei nicht sieht, sind die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind, bis aus einer ersten Idee ein spielbarer Prototyp entsteht. Genau dieser Weg macht für mich einen großen Teil des Hobbys aus.

Am Anfang steht nie der Computer, sondern ein einfacher Notizblock. Dort landen die ersten Ideen, kleine Skizzen, Regeln oder spontane Geistesblitze. Oft verändert sich eine Spielidee in dieser Phase noch dutzendfach. Manche Einfälle verschwinden schnell wieder, andere entwickeln sich Schritt für Schritt zu einem richtigen Spiel.



Erst wenn das Grundkonzept steht, beginnt die eigentliche Gestaltung. Spielbretter, Spielertableaus und Karten entstehen bei mir in Photoshop. Für Illustrationen und teilweise auch für Symbole nutze ich die Unterstützung von ChatGPT. Wenn ich etwas frei zeichnen oder eine Idee direkt auf dem iPad ausprobieren möchte, greife ich zusätzlich zu Procreate. So wächst das Spiel Stück für Stück – zunächst nur auf dem Bildschirm.



Irgendwann kommt jedoch der Moment, an dem ein Spiel nicht mehr nur digital existieren soll. Dann werden die ersten Entwürfe greifbar. Spielbretter oder Tableaus lasse ich als Poster oder großformatige Fotos entwickeln. Die Spielkarten drucke ich direkt an den Fotostationen von Rossmann oder dm – Vorder- und Rückseite jeweils separat. Anschließend beginnt echte Handarbeit: Jede einzelne Karte wird ausgeschnitten, sauber aufeinandergeklebt und kontrolliert. Das kostet Zeit, aber genau dabei entsteht zum ersten Mal das Gefühl, tatsächlich ein neues Brettspiel in den Händen zu halten.



Für die ersten Testrunden greife ich auf eine kleine Sammlung von Würfeln, Spielfiguren und anderem Spielmaterial zurück, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. So kann ich neue Ideen sofort ausprobieren, Regeln verändern und Mechaniken testen, ohne jedes Teil neu herstellen zu müssen. Gerade diese Testpartien sind oft entscheidend, denn erst am Spieltisch zeigt sich, ob eine Idee wirklich funktioniert.

Wenn das Spiel schließlich überzeugt und auch das Spielbrett seinen endgültigen Stand erreicht hat, folgt der schönste Moment des gesamten Entwicklungsprozesses. Das Spielbrett lasse ich dann professionell bei Luudoo (www.luudoo.de) herstellen. Je nach Projekt werden dort auch die Spielkarten produziert. Wenige Tage später halte ich den ersten hochwertigen Prototyp in den Händen – den Moment, auf den ich während der gesamten Entwicklung hingearbeitet habe.

Auch dann ist die Arbeit meist noch nicht beendet. Es wird weiter getestet, verändert und verbessert. Neue Karten entstehen, Regeln werden angepasst und manchmal verschwindet sogar eine Spielidee wieder komplett. Doch genau das gehört für mich zur Brettspielentwicklung dazu. Aus einer kleinen Skizze auf einem Notizblock wird Schritt für Schritt ein Spiel, das irgendwann mit Familie, Freunden oder Testspielern auf dem Tisch liegt.
Und jedes Mal ist es ein besonderes Gefühl zu sehen, wie aus einer einfachen Idee etwas entsteht, das anderen Menschen Freude bereiten kann.